Gegen vier Uhr nachmittags kam ich am Eingang zum Monument Vally an. Schon lange war gekennzeichnet, dass ich mich nun im Reservat der Navajo Indianer befinde, auf dem auch das Monument Vally liegt. Die Landschaft hatte sich zu einer sandigen Wüste mit nur wenigen Büschen verändert. Schon von weitem sah ich die Tafelberge, die wie abgeschnitten in der flachen Landschaft standen. Kann sich jemand noch an Forest Gump erinnern? Als er durch das ganze Land rannte... nur einmal blieb er stehen. Ungefähr an diesem Ort, wo ich das oben stehende Foto geknipst hatte. Die Tafelberge, die grösstenteils aus Sandstein bestehen, sind um die 275 Millionen Jahre alt. Das Tal liegt auf 1900m über Meer, was das Klima erträglich machte. Die in englisch sogenannten Butte sind bis zu 300m hoch. Ihre rote Färbung kommt vom vielen Eisendioxid, dass sich im Gestein befindet. Das Tal diente schon so in manchem Film (bevorzugt Western) als Kulisse. So zum Beispiel im Film: "Spiel mir das Lied vom Tod"
Das Navajo Indianer Reservat ist das grösste Indianerreservat in der USA. Es umfasste ein Gebiet von 55`900 km2. Es geht durch die Staaten Utah, Colorado, Arizona und New Mexico. Das Reservat wird von den Navajo Indianer selber verwaltet und von einer frei gewählten Regierung geführt. D.h. selbst Barack Obama kann den Indianer keine Vorschriften für ihr Reservat machen. Die Navajo Indianer haben sich sehr gut in der neuen Zeit etabliert. Wissen wie sie aus dem Tourismus Profit schlagen können. Sie haben nebst eigenen Schulen auch eine eigene Universität. Eine eigene Polizei, Feuerwehr und Ambulanz, sowie eigene Spitäler, in denen zum Teil immer noch die alte Indianermedizin zur Anwendung kommt. Den Indianer, die ihre Tradition und Gebräuche noch sehr ausgeprägt leben, ist es verboten, Alkohol und jegliche Art von Drogen zu konsumieren. Nur durch diese strengen Gebote ist es den Indianer gelungen, sich weiter zu entwickeln. (Viele andere Indianerstämme sind durch Drogen und Alkohol ins Elend geraten, dazu aber später) Heute leben ca. 300 Navajo Indianer ganzjährig im Monument Vally und pflegen ihre Tradition. Ihr fragt euch sicherlich, wieso ich das alles weiss. Nun, ich will es euch erzählen:
Nach dem ich mein Auto beim Besucherzentrum auf einer leichten Anhöhe parkiert hatte und zum 4 Sterne Hotel (mitten in der Wüste wohlverstanden) schritt, kam mir ein junger Indianer in einem klein Bus entgegen und fragte mich, ob ich Lust hätte auf eine 2.5h Sunset-Tour. Ich erkundigte mich nach den Details und dem Preis. $60.- fand ich einen stolzen Preis für eine Tour. Ich erklärte ihm, dass ich mich nicht so schnell entscheiden könnte, und dass ich zuerst mal von der Terrasse aus den Ausblick geniessen möchte. Er verstand das und sagte, dass wenn ich mitkommen möchte, ich um 6 Uhr an diesem Treffpunkt sein sollte.
Ich hatte zuvor gelesen, dass man entweder mit dem eigenen PW durch den Park fahren konnte (allerdings zu beachten sei, dass es sich hier um keine geteerten Strassen handelt, sondern nur aus Sand bestehen; daher 4x4 Antrieb von Vorteil) oder man mit Indianer eine geführte Tour unternehmen konnte, die zum Teil an nicht öffentliche Orten durchführten. So hatte ich die Wahl. Mein Dodge war zwar nicht gerade sehr tief und schwach, doch hatte ich kein Allradantrieb. Und als ich dann von der Terrasse des Hotels die überwältigende Aussicht über das Monument Tal sah, hatte ich meine Entscheidung schon getroffen. Um Punkt 6 Uhr stand ich unten an dem vereinbarten Treffpunkt.
Ich stand nicht alleine da. Zwei Frauen mittleren alters unterhielten sich und warteten offensichtlich auch auf den klein Bus. Als wenige Minuten später der gleiche Junge mit dem gleichen weissen Bus angefahren kam, schüttelten die beiden Frauen schon den Kopf. Als der Indianerjunge ausstieg, machten sie im umgehend klar, dass sie eine Sunset-Tour im offenen Geländefahrzeug gebucht hätten. Mir war das auch recht, da es angenehm warm war. Also holte unser Tourguide das andere Fahrzeug. Als er zurück kam strahlten die beiden aus New York stamenden Frauen (hatte ich in der Zwischenzeit in Erfahrung gebracht:-) Es war ein Pick-up, der auf der Landefläche eine gerüstartige Konstruktion trug, das aus drei Reihen von Bänken bestand. Wir kletterten hinauf und los ging es den Hügel hinunter ins Tal.
Schon bald war ich froh über meine Entscheidung, die geführte Tour gewählt zu haben. Nämlich dann, als ich die Schlaglöcher und die Buckel unter meinem Allerwertesten spürte, mit der die trampelpfadartigen Wege überdeckt waren. Unser Fahrer störten diese jedoch nicht, er fuhr in einem Tempo darüberhinweg und lachte laut, als es uns fast an die Sonnenabdeckung katapultierte. Erst als die beiden Frauen nett zu verstehen gaben, dass alle seine übereifrigen Fahrkünste an seinem Trinkgeld abgezogen würden, mässigte er sein Tempo. Wir fuhren von einem Stop zum Anderen. Laramie (so hies der 19-jährige Indianer) stellte uns die verschiedenen Felsblöcke vor und erzählte uns Geschichten über deren Entstehung. Dann ging es weiter ins Tal hinab und ab von der (normalen) Strasse! Wir holperten mit unserem Pick-up über Stock und Stein, immer mehr in den Park hinein. Schon lange kam uns kein Tourist mehr mit seinem PKW entgegen. Was nun folgte war eine unvergessliche Tour in die Lebensräume, der alten Navajo Gebiete!
Wir besuchten zum Beispiel die Grossmutter von Laramie in ihrem aus Erde gebauten Igluhaus.
Dort zeigte uns ihr Grosskind, wie die Indianer anno dazumal lebten. Wo die kleinen Baby's eingewickelt wurden und wie man anhand der Trage erkennen konnte, ob es sich um ein Junge oder ein Mädchen handelte. (Lag das Ende der weissen Schnur nach rechts, war es ein Mädchen, lag das Ende nach Links, war es ein Junge)
Danach führte uns seine mittlerweile 93-jährige Grossmutter vor, wie sie aus Schafswolle Garn machte und weiter verarbeitete, bis sie schlussendlich zu Wollfaden wurde, mit dem die Grossmutter Teppiche weben und spinnen konnte (die übrigens bei Sammlern auf der ganzen Welt grösste Beliebtheit erfreuen).
Auf einem Bild daneben war abgebildet, mit welchen Mitteln die Wolle gefärbt wurde.
Gerne hätte ich ihr eines ihrer Werke abgekauft, doch leider waren die Preise etwas gar über meinem Budget. So beliess ich es bei einem Foto und einem Trinkgeld.
Laramie lernte uns unterdessen einige Wörter in der Navajo Sprache, die unter älteren Indianer immer noch gesprochen wurde. Wir verabschiedeten uns mit dem Versuch des Indianerwortes "Bye-Bye" bei seiner Grossmutter (die uns ein freundliches Lächeln schenkte) und machten uns auf den Weg zu weiteren traditionellen Orten, an denen heute noch Feste, wie Hochzeiten oder Begräbnisse, stattfanden.
Wir kamen vorbei am Auge des Falken...
...in den Fels geritzte Zeichnungen von Hirten und Farmern...
...am Tempel des Adlers...
...wilden Pferde...
...bis wir schlussendlich auf einer Art Terrasse angekommen waren... dem Sunset-point. Unser junger Indianer stellte den Motor ab und stieg aus. "Von diesem Punkt habe man die schönste Aussicht, um den Sonnenuntergang zu genießen", versprach er uns. Wie recht er doch hatte... einige Ausschnitte, was sich vor unseren Augen abspielte: Ich und....
...meine zwei Begleiterinnen aus New York.....
...konnten kaum glauben......
...schön die Natur doch sein kann!
Als es Nacht wurde, machten wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz. Beim Camper, der zwei New Yorkerinnen angekommen, luden uns die beiden aufgeweckten Girls spontan zu einem Glas Champagner ein. Laramie nahm zu meinem Erstaunen auch gerne ein Glas und stieß mit uns zu. Wir tauschten alle die Kontaktdaten aus und verabschiedeten uns kurze Zeit später voneinander. Laramie fuhr mich zu meinem Auto, dass das letzte auf dem Parkplatz war. Für mich war klar, ihm wollte ich nicht einfach ein Trinkgeld geben...nein für spezielle Personen verbunden mit speziellen Erlebnissen, hatte ich ja etwas besonderes aus der Heimat dabei... als ich meinen Kofferraum schloss und zu Jeep zurückkehrte, strahlte er fast schüchtern, als ich ihm das neue Victorinox- Messer in die Hand drückte. Ich erklärte kurz, was er alles damit machen konnte und amüsierte mich über sein erstauntes Gesicht. Laramie bedankte sich bei mir mit einer freundschaftlichen Umarmung und wünschte mir alles Gute auf meinem Weg.
Mittlerweile war schon halb elf und ich musste noch etwa 45 Minuten fahren, bis zu meinem Hotel. So machte ich mich auf den Weg durch die hereinbrechende Nacht... in Gedanken an die unvergessliche Tour, die 1.5h dauern sollte, und schließlich 3.5h dauerte....!
Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen!
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