Spätabends kam ich in Page an. Umgehend suchte ich mein zuvor reserviertes Motel auf. Müde von den vielen Eindrücken aus dem Bryce Canyon legte ich mich schlafen. Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg zu den beiden Antelope Canyon's auf, die von den Navajo-Indianer verwaltet werden. Die Upper und Lower Antelope Canyons, haben erst seit etwa fünf Jahren an Bekanntheit gewonnen. Zuvor waren sie nur unter Insidern bekannt. Da sie auf dem Reservatsgebiet der Navajo-Indianer liegen, und auch durch diese verwaltet werden, gehören sie nicht zu den National Parks der Vereinigten Staaten.
Der Lower Canyon, ist der schmälere von Beiden. Fünf Minuten von Page entfernt, biegt ein kleiner Naturweg zum Parkplatz vor dem Canyoneingang ab. Keine grosse Eingangstafel war zu sehen, sondern nur ein handbeschriebenes weisses Blatt, mit der Aufschrifft: " Lower Antelope Canyon". Auf dem Parkplatz standen eine handvoll Autos und Camper. Ein kleines Holzhäuschen markierte die Kasse.
Der Eintritt kostete mich $30.00. Dafür erhielt ich ein Fotografenausweis, der mich berechtigte 6h im Canyon zu verbringen, um Fotos zu machen. Ohne Ausweis hätte ich nur 2h Zeit gehabt. Den Ausweis erhielt ich Dank meinem Dreibeinstatives, das ich mir zuvor im Walmarkt gekauft habe. Da im Canyon relativ wenig Licht vorhanden ist, kann ich somit die besten Fotos schiessen.
Bewaffnet mit Fotostativ, Fotoapperat und Videokamera ging es mit dem Indianer los Richtung Canyoneingang. Nur wo war der überhaupt? Ich sah nur Sträucher und roter Sandstein. Doch, da sah ich eine kleine Öffnung im Boden. War das der Eingang?
Ich zwang mich durch den schmalen Canyoneingang. Ich stieg die steile Eisentreppe hinab, immer weiter unter die Erde. Langsam wurde der Canyon breiter. Von weniger als einem halben Meter wuchs er auf einen Meter Breite an. Nun konnte ich mich endlich besser bewegen. Was sich nun vor meinen Augen befand, ist ein weiteres Highlight meiner Reise durch die Parks.
Über Tausenden von Jahren hatte sich das Wasser des Colorado River einen Weg durch den Canyon gesucht. Seit dem Bau des 216 Meter hohen Glen-Canyon-Dam, der 1964 den Lake Powell bildete, wird der Canyon nur noch selten mit Wasser durchspült. Jedoch kommen diese flutwellen-artigen Überschwemungen meist bei starken, anhaltenden Regenfällen. Innert Sekunden füllt sich der Canyon mit Wasser. Aus diesem Grund haben 1997 elf Besucher ihr Leben im Canyon verloren, da sie von der Wassermasse überrascht wurden und ertranken. Aus diesem Grund sind die Antelope Canyons nur bei gutem Wetter begehbar.
Das Wasser hat die roten Sandsteine über die Jahre so abgewaschen, dass die ganze Canyonwand wie eine riesige Steinwelle aussieht. Es gibt kaum Ecken und Kanten. Alles ist rund und fein.
Durch das einfallende Sonnenlicht ergab sich ein sonderbar mysthisches Licht im Canyon, das man nur mit Langzeitbeleuchtung auf Fotos festhalten kann.
Der Lower Canyon war wirklich nur etwas für bewegliche Besucher. Nicht selten musste ich mich zwischen den Wänden hindurchdrücken. Hindernisse bewältigen, steile Treppen hinabsteigen, oder mich verrenken, um nicht stecken zu bleiben.
Der Lower Canyon war insgesamt etwa 400m lang. Als ich am Ende des Canyons nach ca. 3h die Treppe hinaufstieg, zurück an die Erdoberfläche, hatte ich das Gefühl, als verlasse ich eine spezielle Welt.
Oben angekommen, sah ich von oben, was ich zuvor von unten gesehen hatte. Entscheidet selbst, was euch besser gefällt...
Unspektakulär, nicht? Jedoch beunruhigte mich etwas ganz anderes. Ich sah die dunkeln Wolken, die sich am Horizont langsam auf mich zubewegten. Nichts wie los zum Upper Canyon, dachte ich. Bevor die den Canyon schliessen. Ich beeilte mich also, und fuhr mit dem Auto zu dem 100m entfernteren Parkplatz des Upper Canyons. Zu meinem Schrecken, gab mir die Frau an der Kasse zu verstehen, dass die letzte Tour gerade begonnen hatte, und sie wegen des Wetters keine Weitere durchführen würden. Das durfte ja nicht wahr sein, dachte ich! Zu meinem Glück fragte sie per Funk zur Sicherheit nochmals nach, als drei grosse Camper hinter mir in die Einfahrt einbogen. Ich schnaufte hörbar auf, als sie mich durchwinkte. Ich hatte nochmals $30.00 bezahlt. Dann nahm ich hinten auf einem umgebauten Jeep platz und los ging die 10-minütige Fahrt durch den tiefen Sand zum Eingang des Canyons. Wir wurden richtiggehend durchgeschüttelt, was nicht allen gefiel. Anscheindend hatte der Navajo-Indianer es eilig.
Der Eingang des Upper Canyons war in keinem Vergleich zu dem des Lower. Der Boden des Upper Canyons war im Gegensatz flach und eben. Wenn kein Sand am Boden läge, wäre er sogar rollstuhlbegehbar. Unser Fahrer war auch gerade unser Tourguide, der unsere Gruppe durch den grösseren Canyon führte. Er erzählte uns über die Entstehung und die Rituale, die sie darin feierten, und über deren Bedeutung.
Er spielte uns auf seiner mitgebrachten Flöte ein Lied vor, das die Canyonwände dutzende Male wiedergaben. Einfach überwältigend!
Dann zeigte er uns, wie es aussieht, wenn ein Sandsturm über den Canyonrand fegt.
Hunderte von kleinen und grossen Sandfällen rieselten dann von den einzelnen Vorsprüngen herunter auf den Boden. Das darin spiegelnde Licht trägt das Seinige dazu bei, dass es aussieht wie ein gemaltes Bild.
Die Tour dauerte etwa 45 Minuten. Leider blieb mir kaum genügend Zeit um Fotos zu machen. Trotzdem gelang es mir einige gute Bilder zu machen.
Zurück in Page, entschloss ich mich, den Nachmittag noch am Lake Powell zu verbringen. Für eine Schiffsfahrt zu der weltgrössten natürlichen Steinbrücke, der Rainbow-Bridge, zu fahren, war es leider zu spät. Da vom Ufer nicht viel zu sehen war, fuhr ich zurück in die Stadt. Beim Besuch im Visitor Informationscenter fiel mir ein Prospekt auf, auf dem eine Schlauchbootfahrt auf dem Colorado-River angeboten wurde. Interessiert erkundigte ich mich über die Details. Minuten später fand ich mich im Büro eines Ladens wieder, der sich auf Colorado-River Fahrten spezialisiert hatte. Es dauerte nicht lange, bis mich die nette Bedienung überredet hatte für den nächsten Morgen (7 Uhr) eine halbtägige Exkursion auf dem Colorado-River zu buchen. Vom Staudam aus soll es 16 Meilen flussabwärts Richtung Grand Canyon gehen. Was für ein Spektakel!
Den Sonnenuntergang genoss ich am Staudam, von dem ich Morgen losfahren sollte.
Zum Abendessen leistete ich mir für ein Mal ein richtig grosses AAA Top Sirlon T-Bone Steak! Auf der Terrasse des Restaurants genoss ich den lauen Abend und die Country-Musik von der Live Band.